Adieu Privat-Fernsehen!
Auf selbigen ging mir ebenfalls der Gedanke, wer eigentlich alles von den Geldern der Privaten lebt und auf welchem Niveau und wer das eigentlich alles bezahlt, was mir da tagtäglich zugemutet wird. Die Antwort ist ja ganz einfach: ich (gemeinsam mit Millionen anderen Konsumenten), wer sonst. So gesehen müsste ich nur noch Privat-TV schauen, weil mir das Geld dafür ja ohnehin abgeknöpft wird, ohne dass ich was dagegen tun könnte. Ist fast wie bei der GEZ, aber darauf komme ich noch.
Besonders unerträglich dämlich wurden in der letzten Zeit Sendungen, wie z.B. die des Herrn Abdallah oder wie der auch immer richtig heißen mag: »Galileo«, Bildungs-TV für Hauptschulverweigerer, so würde ich es bezeichnen, was mir da entgegen flimmerte. Banale Zusammenhänge, simple Dinge für den letzten Deppen, pseudo-wissenschaftlich von »erfahrenen« Experimentatoren (sprich Pro7-Praktikanten mit anscheinend abgebrochenem Abitur, wenn überhaupt) »erklärt«. Der gute Galilei würde sich im Grabe umdrehen, wenn er wüsste, was da unter seinem Namen verbreitet wird. Das Thema der Serien wie »Lost«, »Dr. House«, »Primeval« oder ähnlichem Stumpfsinn will ich hier gar nicht ansprechen.
Und so nehme ich nun Abschied von Dir, Privat-Fernsehen, ich bin froh Dich nicht mehr ertragen zu müssen. Müssen deshalb, weil über meinen nun gekündigten Kabel-Anschluss mehrheitlich Deine privaten Sender liefen. Die interessanten oder informativen öffentlich-rechtlichen Programme waren da nur zum Teil dabei. Ich schaue seit Monaten nur noch über DVB-T Fernsehen, also öffentlich-rechtliche Sender, und habe Dich nicht vermisst. Dies war mir ein Zeichen.
Im hiesigen Sendegebiet des MDR werden ausschließlich die öffentlich-rechtlichen Sender per DVB-T ausgestrahlt und von mir aus kann das auch so bleiben. Die Signalqualität ist wesentlich besser als über Kabel (weil Kabel hier nur analog verfügbar ist), vom Inhalt vieler Sendungen, ich würde nicht sagen der meisten, aber dennoch von vielen, mal ganz abgesehen. Arte, Phoenix, ZDFinfo usw. reichen mir völlig aus. Wenn ich die Sendungen dort sehe, lerne ich etwas dazu, jedenfalls meistens, oder ich frische mein Wissen auf, so wie gestern abend. Ich zahle deshalb, obwohl die Verwendung der Mittel teilweise auch sehr fragwürdig ist, meine GEZ-Gebühr mittlerweile gerne und bin froh, dass wir in diesem Lande eine Struktur wie die öffentlich-rechtlichen Sender haben und dass ich nicht ausschließlich der geistigen Dünnbrettbohrerei der privaten Sendeanstalten (und Anstalten trifft den Kern dieser Einrichtungen mittlerweile m.E. sehr gut) ausgeliefert bin. Ich meine, gerade beim MDR gibt es z.T. zwar Sendungen ähnlichen Kleinkalibers wie bei den Privaten (z.B. die andauernden Schlager-Folter-Sendungen), aber ähnlichen Mist gibt es auch woanders, z.B. auf dem BR, wenn man nur mal an die unsäglichen Bauerntheatersendungen oder an »Die Rosenheimcops« denkt. Aber es gibt bei den Öffentlich-Rechtlichen eben auch etliche Sendungen, wie z.B. gestern Abend: "Der Tag X", wichtige historische Ereignisse spannend zusammengefasst und neue Sichtweisen auf die entsprechenden Epochen präsentiert. Toll! Das hat Spaß gemacht und meinen Horizont erweitert. Bis nachts um zwei hat mich diese Sendung fasziniert, dann war ich einfach zu müde.
Und wenn ich einen richtigen Film sehen will, fahre ich schnell in die Videothek, genieße den Streifen nach Möglichkeit von BlueRay-Disc und völlig ohne viertelstündliche und viertelstündige Werbeunterbrechungen und freue mich, wenn ich eine gute Wahl getroffen habe. Das Leben kann so einfach und schön sein. :-)