Bloggito, ergo sum. - Frei nach René Descartes

Zurück in die Zukunft mit der Lumix DMC-G1

Ich habe es getan! Ich habe meine komplette Canon-DSLR-Fotoausrüstung verkauft. Ich habe festgestellt, dass es mir schlicht zu viel war, um sie einfach mal so mitzunehmen. Ich brauchte also eine Immer-dabei-Ausrüstung. Durch Zufall habe ich beim Rumstöbern im Cyberport-Store hier in Dresden die Panasonic Lumix DMC-G1 entdeckt. Ich war sofort begeistert! Eine kleine, echt schicke Kamera, fast wie eine klassische Bridgekamera, meiner ersten Digitalkamera (Minolta Dimage 7) ganz ähnlich aber mit Wechselobjektiven (deswegen »Zurück in die Zukunft«). Ich wusste es von Anfang an, ich wusste das ist mein neues Spielzeug, klein, kompakt, schwarz!

Während sie gemeinsam mit dem 14-45 mm Objektiv überall noch für 699 Euro angeboten wird, kann man sie derzeit im Saturn für 596 Euro erwerben, ebenfalls im Bundle mit dem 14-45 mm Kitobjektiv. Diese Gelegenheit habe ich beim Schopfe gepackt. Nach ein paar Tagen des Ausprobierens und Experimentierens fasse ich hier nun meine ersten Erfahrungen zusammen. Ich gehe explizit nicht auf alle technischen Details und Ausstattungsmerkmale ein; dazu gibt es bereits genügend Seiten im Netz. Ich lege hier nur die Dinge dar, die mir besonders erwähnenswert erscheinen.

Positiv

Die Kamera ist ein echtes Leichtgewicht und wirklich sehr kompakt. Es gibt einige Kritiker, die enttäuscht sind, dass sie trotzdem noch »so groß« sei. Dazu kann ich nur sagen, noch kleiner sollte sie wirklich nicht sein, sonst wäre sie unhandlich. Dann müsste man den Body in Form einer Kompaktknipse bauen. Gut, dann hätte man vielleicht sowas wie die legendären Leica M-Modelle. Sei’s drum, mir ist sie jedenfalls klein genug. Ich kann die Kamera mit Objektiv und Ladegerät nun wieder in meiner alten Foto-Umhängetasche (ca. 25 x 25 x 15 cm) verstauen und es ist noch Platz für weiteres Zubehör, z.B. für einen ordentlichen Blitz oder für das 45-200 mm Objektiv. Für mich gilt jedenfalls: die gute Fotoausrüstung die ich dabei habe, ist besser als das große Technikwunder das zu Hause rumliegt. Dieses Ziel ist mit der G1 voll erreicht. Eine westentaschentaugliche »Kamera« wollte ich ja nicht, denn ich möchte trotz aller Kompaktheit fotografieren, nicht knipsen. Die Kamera liegt durch ihre Beschichtung angenehm in der Hand und vermittelt ein wertiges Gefühl. Das Gewicht einer echten DSLR hat sie natürlich nicht, das war für mich schon eine Umstellung aber ja auch das Ziel der ganzen Sache.

Die Panasonic Lumix DMC-G1 von oben.

Toll finde ich das klassische, auf der rechten »Schulter« der Kamera angeordnete Programmwahlrad, mit allen Einstellungen die man sich als Hobby-Fotograf wünscht, vor allem Zeit- (S) und Blendenvorwahl (A) wie es sich gehört, super! Unter dem Einstellrad befindet sich außerdem ein kleines Hebelchen, mit dem man die Betriebsart direkt einstellen kann: Einzelbild, Serienbild, Belichtungsreihe und Selbstauslöser. Diese direkten manuellen Einstellmöglichkeiten finde ich persönlich besonders hilfreich. Kein Gehangel durch Menüs, keine spiegelnden oder zu dunklen Displays, einfach einstellen und fertig. Gleiches gilt übrigens für die Wahl des AF-Modus (Autofokus, Nachführ-Autofokus und manueller Fokus), diese ist auf der linken »Schulter« der Kamera angeordnet. Auch hier ist ein kleines Einstellrädchen als direktes Bedienelement vorgesehen.

Der elektronische Sucher kann bezüglich der Abbildungsqualität logischerweise nicht mit dem echten optischen Sucher einer SLR mithalten, aber! Der elektronische Sucher ist der beste den ich je gesehen habe und schlägt viele optische Sucher der Midrange-DSLRs in puncto Größe locker. Außerdem kann er viel mehr Infos einblenden als jede DSLR, ein Live-Histogramm, verschiedene Gitternetzlinien, den Fokuspunkt, wesentliche Einstellungen usw. Im Vergleich zu meiner ehemaligen EOS 20D ist das ist sehr, sehr komfortabel. Bei einem Wechsel der Einstellungen braucht man die Kamera nicht absetzen. Man schaut einfach durch den Sucher und stellt über das Quick-Menü alles so ein, wie man eben möchte. Das ist äußerst praktisch.

Apropos Fokus und Sucher: bei entsprechender Konfiguration der Kamera kann man den Autofokusbereich im Sucher manuell frei verschieben und in der Größe variieren. Welche DSLR kann das? Prinzipbedingt ist der AF der G1 auch sehr treffsicher, zumindest im Vergleich zu den üblichen Consumer-DSLRs, weil der Fokus bei der G1 ja direkt aufgrund der Bildsensordaten eingestellt wird und nicht mit separaten AF-Sensoren unten im Body (DSLR). Die leidigen Begriffe Front- und Backfokus, die man ja in den einschlägigen Foren im Internet allenthalben zu lesen bekommt (insbesondere von den Canon-Usern), gehören damit endlich der Vergangenheit an.

Die Lumix DMC-G1 verfügt über eine automatische Sensorreinigung, die beim Einschalten automatisch aktiviert wird. Man kann sie auch manuell über das Menü aktivieren. Endlich bin ich auch dieses lästige »Staub auf dem Sensor«-Problem los. Wie oft habe ich die 20D gereinigt und auf den Urlaubsbildern trotz teuerster, abgedichteter L-Optiken mit fest stehenden Hinterlinsen Staub gehabt! Das ist nun also auch Geschichte, fein.

Die beiden derzeit verfügbaren Objektive (14-45 mm und 45-200 mm) besitzen beide einen optischen und am Objektiv zuschaltbaren Bildstabilisator (O.I.S.). Aus Gründen der Energieeffizienz sollte man diesen meiner Meinung nach immer im Modus 2 betreiben. Dann wird er nur beim Auslösen aktiviert. Also den O.I.S. immer ein, aber immer nur im Modus 2 (zumindest wenn die Kamera nicht auf ein Stativ montiert ist oder man Mitzieher fotografieren möchte). Im Modus 1 ist der O.I.S. immer aktiv, was natürlich recht viel Strom kostet und den Akku unnötig belastet. Der Bildstabilisator ist eine sehr feine Sache, man gewinnt schon eine Menge Gestaltungsfreiheit. Aufnahmen mit 1/30 s Belichtungszeit sind damit gar kein Problem. Interessant ist, dass die G1 die Aufnahmen intern je nach verwendetem Objektiv korrigiert. Soweit ich weiß, werden mindestens Vignettierung und Verzeichnung der Optiken rechnerisch korrigiert. Die Kamera macht also intern das, was bisher diverse Spezialsoftware (Lens Fix CI, DXO usw.) extern und nachträglich erledigte. Dies ist wahrscheinlich auch der Grund, warum Lightroom und Aperture sich mit der Verarbeitung der RAWs dieser Kamera bislang noch nicht anfreunden können. Die beiden Kitobjektive haben übrigens Metallbajonette, was (leider) keineswegs selbstverständlich ist.

Die Bildqualität ist für mich völlig okay. Ich würde einschätzen, dass eine gute DSLR in puncto Rauschverhalten zwar etwas bessere Resultate liefert, aber die Bilder der DMC-G1 sind für mich trotzdem vollkommen zufriedenstellend. Der Fokus sitzt perfekt und feine Details werden zuverlässig wiedergegeben. Die Farben sind im Standard-Film-Modus angenehm neutral und können im Film-Modus »Natürlich« sogar noch etwas gedämpft werden. Wenn man im RAW-Format fotografiert, kann man zudem noch wesentlich bessere Ergebnisse aus den Bilddaten kitzeln als das die interne Bildverarbeitung macht. Ich habe das mit dem mitgelieferten Programm »Silkypix« für die RAW-Verarbeitung selbst ausprobiert. Hinsichtlich der Pixelanzahl und des Rauschverhaltens verweise ich außerdem auf das »6 Megapixel«-Projekt und kann nur sagen, etwa 8 bis höchstens 10 Megapixel hätten es in der G1 für mich auch getan und man könnte durch die freiwillige Selbstbegrenzung in der Pixelanzahl eine höhere Bildqualität (Farbtreue, Detailschärfe, Flächigkeit) erreichen. Wer das nicht glaubt, der sollte sich bei Gelegenheit die Infos des »6 Megapixel«-Projektes gut durchlesen!

Panasonic liefert außerdem ein recht umfangreiches Handbuch zur G1 mit. Ich finde das im Trend des allgemeinen Wegrationalisierens gedruckter Handbücher bemerkenswert und habe es deswegen hier auch aufgeführt. Damit komme ich aber auch gleich zum nächsten Kapitel.

Negativ

Das Handbuch ist zwar umfangreich aber Struktur und insbesondere das Layout lassen sehr, sehr arg zu wünschen übrig! Das fiel mir übrigens auch schon bei meinem Panasonic Plasma TV auf. Es scheint also ein generelles Problem bei Panasonic zu sein. Damit man mich richtig versteht: es geht mir nicht um Schönheit, aber in dem Handbuch konkurrieren derart viele Hervorhebungen, Textauszeichnungen und Symbole miteinander, dass kein Mensch versteht, was nun wofür und wann wichtig sein soll. Das Handbuch ist ein prächtiges Beispiel für so ziemlich jeden möglichen Satzfehler, den man sich denken kann und schafft auf diese Art mehr Verwirrung als Klarheit. Ich hätte bis zum Blättern in diesem Ding nicht gedacht, dass man mich mit einer Lektüre so nerven kann. Außerdem kann man es auf Grund seiner fehlenden, logischen Struktur nicht wirklich lesen, sondern nur auf gut Glück darin herum blättern, in der Hoffnung die gewünschte Info auch zu finden. Ein Stichwortverzeichnis wäre dabei sicher hilfreich gewesen.

Der Akku ist eine Schwachstelle dieser Kamera. Ein elektronischer Sucher der Güte einer G1 verbraucht sicher eine Menge Strom und der optische Bildstabilisator auch. Deswegen oben meine Empfehlung, den O.I.S. im Modus 2 zu betreiben. Ich denke ich werde mir über kurz oder lang noch einen Zweitakku zulegen. Leider ist dieser Spaß derzeit mit 79-99 Euro doch noch sehr teuer. Aber warten wir mal ab, wie sich die Fremdhersteller verhalten werden. Die kleine G1 ist ja noch sehr jung.

Die mitgelieferte, aus Japan stammende RAW-Software »Silkypix« ist ein schlechter Witz, wenigstens auf dem Mac. Die Bildergebnisse sind zwar gar nicht mal schlecht, aber die Benutzeroberfläche ist ein Graus und instabil ist sie auch! Die Mac-Version ist anscheinend eine der »allseits beliebten«, echt üblen Windows-Portierungen. Liebe Entwickler, nur weil auch Ihr es geschafft habt, das gesamte UI in schwarz und grau zu gestalten, heißt das nicht, dass Ihr diesbezüglich eine Qualität wie bei Aperture oder Lightroom erreicht habt. Bitte nochmal ganz von vorn! Diese Software geht gar nicht! Irgendwo im Netz hatte diesbezüglich irgendwer bissig geschrieben, dass man solch schlechtes Design ja bereits von asiatischen Autos gewöhnt sei. Ich muss leider sagen, dem kann ich mich nur anschließen, auch wenn sich nun der ein oder andere auf den Schlipps getreten fühlen mag. Ich kann nur hoffen, dass sich Apple und Panasonic einigen können und Apple endlich RAW-Support für die G1 bietet. »Silkypix« ist so schnell von meiner Platte geflogen wie es drauf war. Bevor ich mir das antue, fotografiere ich lieber JPEGs.

Neutral und ergänzend

Die Objektivauswahl ist derzeit noch begrenzt auf die beiden Kitobjektive (14-45 mm und 45-200 mm). Diese sind leider nicht sonderlich lichtstark (3,5-5,6) und somit eher Einsteigermodelle, liefern aber erstaunlich gute Bilder ab. Ich bin gespannt was die Zukunft bringt. Angekündigt sind von Panasonic für das erste Quartal 2009 drei weitere Optiken (7-14 mm, 14-140 mm und 20 mm). Das 20-er soll ein Pancake mit Lichtstärke 1,7 werden. Darauf bin ich echt gespannt. Wenn es hält was es verspricht, ist es meins. Damit ist die kleine G1 wirklich handtaschentauglich. Ich denke auch Olympus wird demnächst was interessantes anbieten, vielleicht springt ja auch Leica auf den Micro Four Thirds Zug auf. Was ich derzeit echt vermisse, auch wenn ich es nicht akut brauche, ist ein richtiges Makro-Objektiv. Ich hoffe da kommt noch was, denn sowas gehört einfach ins Sortiment eines jeden ernstzunehmenden Foto-Systems.

Den eingebauten Blitz der Lumix G1 kann man nicht wirklich als Manko werten, der ist bei den meisten Kamera-Bodies nicht besser. Die internen Blitze sind nach meinem Dafürhalten allesamt nur Notbehelfe. Deswegen habe ich auch sofort Ausschau nach einem ordentlichen Ersatz gehalten. Ich hatte ursprünglich vor, mir den Panasonic DMW-FL 360 zuzulegen, weil er eben so schön kompakt ist, habe dann allerdings davon Abstand genommen, denn vielen Anwenderberichten zufolge braucht er sehr lange für seine vollständige Wiederaufladung. Klar, er arbeitet ja auch nur mit zwei AA-Akkus, irgendwo fordert die kompakte Bauform eben ihren Tribut. Ich habe mich nach langer Suche im Netz schlussendlich für den Metz Mecablitz 48 AF-1 digital entschieden. Wie dieser mit der Lumix DMC-G1 zusammenarbeitet, steht in meinem Artikel »Blitzgewitter mit der Lumix DMC-G1«.

Fazit

Die Panasonic Lumix DMC-G1 ist eine wirklich tolle, kleine Kamera, die meine Erwartungen in vielerlei Hinsicht übertroffen hat. Ich hoffe, dass sie viele Freunde finden wird, auch wenn sie preislich vor allem im Vergleich zu den Einsteiger-DSLRs nicht die allerbilligste Wahl ist. Nach meinem Dafürhalten bekommt man mit dieser Kamera und mit den kompakten Objektiven des neuen Micro Four Thirds Standards eine wirklich gute und vor allem sehr transportable Fotoausrüstung zusammen, welche auch die Ansprüche engagierter Hobby-Fotografen locker abdeckt.