Wer erklärt mir die Wirtschaftskrise?
2009-01-22 / 19:29 / Gespeichert in: Wirtschaft, Gesellschaft
Diese Frage stellte am 29.10.2008 ein User im Forum von macnews.de, in dem ich ebenfalls aktives Mitglied bin. Ich habe daraufhin einen satirischen aber trotzdem ernst gemeinten Erklärungsversuch der derzeitigen Wirtschafts- und Finanzkrise unternommen, obwohl ich kein Finanzexperte oder Wirtschaftswissenschaftler bin. Weil mein Erklärungsversuch offenbar gut ankam, veröffentliche ich diesen Beitrag hier in leicht überarbeiteter Fassung.
Um die Ursachen der derzeitigen Wirtschafts- und Finanzkrise wirklich zu verstehen, muss man einfach nur die angeblich so großen Spielchen auf simple Maße herunterbrechen, damit es der gesunde Menschenverstand erfassen kann. Außerdem muss man wissen, dass die Kreditwirtschaft in GB und in den USA etwas anders funktioniert als hierzulande.
In diesen Ländern werden Kredite und Kreditkarten auch an Leute vergeben, die bereits ihre vorhandenen Kredite nicht abzahlen können. Die fälligen Raten werden dann mit neuen Krediten »beglichen«. Da dieses Geld nirgends existiert und die Schuldner durch die immer weiter anwachsende Schuldenlast die Fehlbeträge in ihrem ganzen Leben nie ausgleichen können, entstehen Fehlbeträge. Den kreditierten Beträgen steht keine tatsächlich erbringbare Leistung entgegen und mithin ist das vorgeschossene Geld nichts als heiße Luft. Das ist in etwa so als wenn man bei ALDI an der Kasse arbeitet und mit 64 Jahren einen Kredit über 10 Millionen Euro wollte. Den wird man unter normalen Bedingungen nicht mehr abstottern können und genau deswegen wird man ihn hierzulande auch nicht bekommen. Weil das dem Amerikanischen Traum jedoch massiv entgegensteht, handhabt man das dort etwas anders. Das Gesamtfinanzsystem muss daher von außen ständig neu mit Geld gefüttert werden, sonst ist es überschuldet und ruckzuck pleite.
Und wie macht man das?
Richtig, man »erwirtschaftet« »Gewinne« über Aktien u.ä. Solche Wertpapiere (allein die Kombination dieser beiden Wörter weist auf deren wahren Wert hin!) spiegeln den Wert eines Unternehmens wieder, jedenfalls in der reinen Lehre. Wir hatten am 28.10.2008 mit VW ein hübsches Beispiel, dass dieser Ansatz auch nichts als blanke Theorie ist und in praxi massiv geprägt ist von subjektiven Eindrücken, (Fehl-) Interpretationen und durch das Gesamtsystem selbst. (Die VW-Aktie stand an diesem Tag zeitweise bei über 1000 Euro.) In die Bewertung eines Unternehmens gehen alle möglichen Aspekte ein, die ebenfalls äußerst subjektiv sind. Man stelle sich z.B. ein Haus in London vor. Warum ist das so teuer? Nur aus einem einzigen Grund. Es gibt genügend Dumme, die diese Preise zahlen.
Nun gehen in die Bilanzen der Unternehmen u.a. auch deren Geldanlagen ein, z.B. Immobilien, z.B. in London. Zudem werden diese Bilanzen selbstverständlich von den »Konzernlenkern« bewusst gesteuert, um gewisse Ziele zu erreichen, z.B. eine hohe Redite, Shareholder-Value eben. Der Anleger freut sich und der Hype erreicht die nächste Stufe, weil alle ihn mitmachen. Sind genügend Dumme nicht mehr zahlungsfähig, weil z.B. überschuldet (siehe oben) oder sind die Preise so exorbitant, dass sich nicht mehr genügend Dumme finden, bröckelt der Hype. Plötzlich ist das Haus in London nur noch die Hälfte wert. Aua! Man hat doch gar nichts falsch gemacht!? Man hatte sogar noch renoviert. Trotzdem ist die Hütte nichts mehr wert oder zumindest lange nicht mehr so viel wie gerade eben noch. Und sowas geht dann eben auch in eine Unternehmensbilanz ein. Auch das fragliche Unternehmen ist dann plötzlich weniger wert, denn es besitzt ja nun nicht mehr so viel wie vorher. Wenn das an der Börse ruchbar wird, geht es gleich noch weiter bergab. Die Aktien fallen, im Zweifel rasant. Deswegen lässt das Unternehmen das hoch bewertete Grundstück lieber wie es ist in der Bilanz drin und versucht sich so um die Verlustdokumentation drumherum zu mogeln. Die Telekom kann ein Lied von überbewerteten Grundstücken singen und tausende »Volksaktionäre« ebenfalls. Woanders würde man so etwas Betrug nennen. Und warum? Weil den Investoren falsche Tatsachen vorgespiegelt wurden. Die bilanzierten Werte sind irreal, genauso wie der angebliche Wert des Unternehmens oder auch der angebliche Wert der Aktien. Und das führt uns zur wesentlichen Frage:
Wie viel Geld, im Sinne von Wert, haben wir wirklich?
Die Antwort ist simpel: Das weiß heutzutage niemand, keiner. Warum? Weil es schon lange keine Banker mehr gibt. Es gibt stattdessen nur noch Elektriker, nämlich Menschen die in Unternehmen arbeiten, deren Geschäftsfeld es ist, auf der Grundlage subjektiver Eindrücke anderer Elektriker Ladungszustände von Festplattensektoren zu verändern und das Ergebnis ihrer Manipulationen dann als Kontostand von irgendwem zu bezeichnen. Früher gab es nur einen Banker der hieß König und saß mit seinem Zepter und mit seinem Schwert auf der Schatztruhe. Und wenn er wissen wollte ob er den freundlichen Nachbarn ein paar Dukaten und Frauen stehlen muss, dann hat er einfach nachgezählt und dann seine Entscheidung getroffen. Was lernen wir? Der König hatte einen konkreten Wert (Gold, Silber oder Kupfer) physisch in seinen Händen bzw. in seiner Truhe. Der eherne Grundsatz eines real existierenden Gegenwertes zur im Umlauf befindlichen Geldmenge wurde u.a. mit Einführung des Aktiensystems abgeschafft. Selbst wenn wir wüssten welche Summe wir theoretisch haben müssten, was ja auch niemand genau weiß, weil die Beträge wie oben beschrieben fiktiv sind und dynamisch schwanken, so hätten wir keinen materiellen Gegenwert in physischer Form dagegen zu stellen. Das Haus in London... Und hier schließt sich der Kreis, denn es ist heute so viel und morgen so viel wert. Einen Staatsschatz gibt es nicht mehr. Der Staat hatte mal Anlagevermögen, aber auch er hat leider in zu viele »Londoner Häuser«" investiert... Zudem hat er fast sein gesamtes Tafelsilber, nämlich seine Infrastruktur, längst in bare Münze umgewandelt, sprich privatisiert. Hätte er es mal real in Bares umgewandelt, aber auch da haben sich die Elektriker vorgedrängelt...
Wer also verfügt noch über »feste« Werte und wieviel ist das? Das sind nur wir, das Volk! Wieso?
Weil überhaupt nur die arbeitenden Bürger Werte durch ihre Arbeit erzeugen können. Um die erarbeiteten Beträge aber objektiv zu bewerten, müssten wir uns gesamtgesellschaftlich ernsthaft mit Wertschöpfung auseinandersetzen. Und ab hier wird es wirklich philosophisch. Erzeugt ein Friseur einen echten Mehrwert im Sinne der Dukaten des Königs? Wohl kaum. Sein Produkt überlebt nichtmal den Nachtschlaf seines Erwerbers. Der volkswirtschaftliche Beitrag einer Frisur ist m.E. sogar eine Negativbilanz, weil das Geld in etwas investiert wurde was absolut keinen Gegenwert zur Verfügung stellt, außer dass sich Tante Emma ein Weilchen gut fühlt. Aber Substanz wurde keine erzeugt und mithin auch kein Mehrwert. Erzeugt ein Investor einen realen Mehrwert, weil er irgendwo Geld reinstopft? Nein, ebenfalls nicht. Er bestimmt lediglich durch wen, wo und wie der Mehrwert erzeugt wird. Und das vor dem Hintergrund der Entscheidung wo er sich den größten Gewinn erhofft. Der Mehrwert und somit sein Gewinn entsteht aber nicht durch ihn selbst oder gar durch sein Geld sondern durch die möglichst hohe Wertschöpfung auf der Basis der Arbeit anderer Leute, die »substanzielle« Werte erzeugen. Unser Problem heutzutage ist, dass in Finanzkreisen allgemein davon ausgegangen wird, dass auch der Friseur und der Investor Wertschöpfung betreiben und das Geld neues Geld, im Sinne eines substanziellen Wertes, erzeugen kann. Ermöglicht hat uns diesen Irrglauben die Gilde der Elektriker mit den Kontoauszügen. Solange man nie einen realen Gegenwert nachweisen muss, funktioniert das System auch, eben so lange, wie man die Bits und Bytes auf den Festplatten der Elektrikkonzerne nur zu verschieben braucht. Damit sind wir wieder am Beginn der Erläuterung. So lange niemand nach dem realen Gegenwert fragt und ob eine Schuld überhaupt beglichen werden kann, passiert nichts. Aber wehe es möchte jemand echte Tatsachen sehen, dann knallt es!
Deswegen müsste die erste Vorlesung eines jeden BWL-Studenten wirklich eine Vor-Lesung sein. Es müsste das Märchen »Des Kaisers neue Kleider« vorgelesen werden. Alle haben den König nackt gesehen, aber nur das kleine Kind hat sich getraut den offenkundigen Fakt laut auszusprechen: »Aber er hat ja gar nichts an!«.
In diesen Ländern werden Kredite und Kreditkarten auch an Leute vergeben, die bereits ihre vorhandenen Kredite nicht abzahlen können. Die fälligen Raten werden dann mit neuen Krediten »beglichen«. Da dieses Geld nirgends existiert und die Schuldner durch die immer weiter anwachsende Schuldenlast die Fehlbeträge in ihrem ganzen Leben nie ausgleichen können, entstehen Fehlbeträge. Den kreditierten Beträgen steht keine tatsächlich erbringbare Leistung entgegen und mithin ist das vorgeschossene Geld nichts als heiße Luft. Das ist in etwa so als wenn man bei ALDI an der Kasse arbeitet und mit 64 Jahren einen Kredit über 10 Millionen Euro wollte. Den wird man unter normalen Bedingungen nicht mehr abstottern können und genau deswegen wird man ihn hierzulande auch nicht bekommen. Weil das dem Amerikanischen Traum jedoch massiv entgegensteht, handhabt man das dort etwas anders. Das Gesamtfinanzsystem muss daher von außen ständig neu mit Geld gefüttert werden, sonst ist es überschuldet und ruckzuck pleite.
Und wie macht man das?
Richtig, man »erwirtschaftet« »Gewinne« über Aktien u.ä. Solche Wertpapiere (allein die Kombination dieser beiden Wörter weist auf deren wahren Wert hin!) spiegeln den Wert eines Unternehmens wieder, jedenfalls in der reinen Lehre. Wir hatten am 28.10.2008 mit VW ein hübsches Beispiel, dass dieser Ansatz auch nichts als blanke Theorie ist und in praxi massiv geprägt ist von subjektiven Eindrücken, (Fehl-) Interpretationen und durch das Gesamtsystem selbst. (Die VW-Aktie stand an diesem Tag zeitweise bei über 1000 Euro.) In die Bewertung eines Unternehmens gehen alle möglichen Aspekte ein, die ebenfalls äußerst subjektiv sind. Man stelle sich z.B. ein Haus in London vor. Warum ist das so teuer? Nur aus einem einzigen Grund. Es gibt genügend Dumme, die diese Preise zahlen.
Nun gehen in die Bilanzen der Unternehmen u.a. auch deren Geldanlagen ein, z.B. Immobilien, z.B. in London. Zudem werden diese Bilanzen selbstverständlich von den »Konzernlenkern« bewusst gesteuert, um gewisse Ziele zu erreichen, z.B. eine hohe Redite, Shareholder-Value eben. Der Anleger freut sich und der Hype erreicht die nächste Stufe, weil alle ihn mitmachen. Sind genügend Dumme nicht mehr zahlungsfähig, weil z.B. überschuldet (siehe oben) oder sind die Preise so exorbitant, dass sich nicht mehr genügend Dumme finden, bröckelt der Hype. Plötzlich ist das Haus in London nur noch die Hälfte wert. Aua! Man hat doch gar nichts falsch gemacht!? Man hatte sogar noch renoviert. Trotzdem ist die Hütte nichts mehr wert oder zumindest lange nicht mehr so viel wie gerade eben noch. Und sowas geht dann eben auch in eine Unternehmensbilanz ein. Auch das fragliche Unternehmen ist dann plötzlich weniger wert, denn es besitzt ja nun nicht mehr so viel wie vorher. Wenn das an der Börse ruchbar wird, geht es gleich noch weiter bergab. Die Aktien fallen, im Zweifel rasant. Deswegen lässt das Unternehmen das hoch bewertete Grundstück lieber wie es ist in der Bilanz drin und versucht sich so um die Verlustdokumentation drumherum zu mogeln. Die Telekom kann ein Lied von überbewerteten Grundstücken singen und tausende »Volksaktionäre« ebenfalls. Woanders würde man so etwas Betrug nennen. Und warum? Weil den Investoren falsche Tatsachen vorgespiegelt wurden. Die bilanzierten Werte sind irreal, genauso wie der angebliche Wert des Unternehmens oder auch der angebliche Wert der Aktien. Und das führt uns zur wesentlichen Frage:
Wie viel Geld, im Sinne von Wert, haben wir wirklich?
Die Antwort ist simpel: Das weiß heutzutage niemand, keiner. Warum? Weil es schon lange keine Banker mehr gibt. Es gibt stattdessen nur noch Elektriker, nämlich Menschen die in Unternehmen arbeiten, deren Geschäftsfeld es ist, auf der Grundlage subjektiver Eindrücke anderer Elektriker Ladungszustände von Festplattensektoren zu verändern und das Ergebnis ihrer Manipulationen dann als Kontostand von irgendwem zu bezeichnen. Früher gab es nur einen Banker der hieß König und saß mit seinem Zepter und mit seinem Schwert auf der Schatztruhe. Und wenn er wissen wollte ob er den freundlichen Nachbarn ein paar Dukaten und Frauen stehlen muss, dann hat er einfach nachgezählt und dann seine Entscheidung getroffen. Was lernen wir? Der König hatte einen konkreten Wert (Gold, Silber oder Kupfer) physisch in seinen Händen bzw. in seiner Truhe. Der eherne Grundsatz eines real existierenden Gegenwertes zur im Umlauf befindlichen Geldmenge wurde u.a. mit Einführung des Aktiensystems abgeschafft. Selbst wenn wir wüssten welche Summe wir theoretisch haben müssten, was ja auch niemand genau weiß, weil die Beträge wie oben beschrieben fiktiv sind und dynamisch schwanken, so hätten wir keinen materiellen Gegenwert in physischer Form dagegen zu stellen. Das Haus in London... Und hier schließt sich der Kreis, denn es ist heute so viel und morgen so viel wert. Einen Staatsschatz gibt es nicht mehr. Der Staat hatte mal Anlagevermögen, aber auch er hat leider in zu viele »Londoner Häuser«" investiert... Zudem hat er fast sein gesamtes Tafelsilber, nämlich seine Infrastruktur, längst in bare Münze umgewandelt, sprich privatisiert. Hätte er es mal real in Bares umgewandelt, aber auch da haben sich die Elektriker vorgedrängelt...
Wer also verfügt noch über »feste« Werte und wieviel ist das? Das sind nur wir, das Volk! Wieso?
Weil überhaupt nur die arbeitenden Bürger Werte durch ihre Arbeit erzeugen können. Um die erarbeiteten Beträge aber objektiv zu bewerten, müssten wir uns gesamtgesellschaftlich ernsthaft mit Wertschöpfung auseinandersetzen. Und ab hier wird es wirklich philosophisch. Erzeugt ein Friseur einen echten Mehrwert im Sinne der Dukaten des Königs? Wohl kaum. Sein Produkt überlebt nichtmal den Nachtschlaf seines Erwerbers. Der volkswirtschaftliche Beitrag einer Frisur ist m.E. sogar eine Negativbilanz, weil das Geld in etwas investiert wurde was absolut keinen Gegenwert zur Verfügung stellt, außer dass sich Tante Emma ein Weilchen gut fühlt. Aber Substanz wurde keine erzeugt und mithin auch kein Mehrwert. Erzeugt ein Investor einen realen Mehrwert, weil er irgendwo Geld reinstopft? Nein, ebenfalls nicht. Er bestimmt lediglich durch wen, wo und wie der Mehrwert erzeugt wird. Und das vor dem Hintergrund der Entscheidung wo er sich den größten Gewinn erhofft. Der Mehrwert und somit sein Gewinn entsteht aber nicht durch ihn selbst oder gar durch sein Geld sondern durch die möglichst hohe Wertschöpfung auf der Basis der Arbeit anderer Leute, die »substanzielle« Werte erzeugen. Unser Problem heutzutage ist, dass in Finanzkreisen allgemein davon ausgegangen wird, dass auch der Friseur und der Investor Wertschöpfung betreiben und das Geld neues Geld, im Sinne eines substanziellen Wertes, erzeugen kann. Ermöglicht hat uns diesen Irrglauben die Gilde der Elektriker mit den Kontoauszügen. Solange man nie einen realen Gegenwert nachweisen muss, funktioniert das System auch, eben so lange, wie man die Bits und Bytes auf den Festplatten der Elektrikkonzerne nur zu verschieben braucht. Damit sind wir wieder am Beginn der Erläuterung. So lange niemand nach dem realen Gegenwert fragt und ob eine Schuld überhaupt beglichen werden kann, passiert nichts. Aber wehe es möchte jemand echte Tatsachen sehen, dann knallt es!
Deswegen müsste die erste Vorlesung eines jeden BWL-Studenten wirklich eine Vor-Lesung sein. Es müsste das Märchen »Des Kaisers neue Kleider« vorgelesen werden. Alle haben den König nackt gesehen, aber nur das kleine Kind hat sich getraut den offenkundigen Fakt laut auszusprechen: »Aber er hat ja gar nichts an!«.